955 Tausend Erwerbslose in Nordrhein-Westfalen Zeit zu handeln statt zu tricksen

Schlechte Meldungen kann die Bundesregierung nicht gebrauchen. Deshalb bleibt sie dabei, die Arbeitslosenzahlen schön zu rechnen. Arbeitslose, die krank sind, einen Ein-Euro-Job haben oder an Weiterbildungen teilnehmen, werden bereits seit längerem nicht als arbeitslos gezählt. Viele der Arbeitslosen, die älter als 58 sind, erscheinen nicht in der offiziellen Statistik. Im Juli 2009 kam eine weitere Ausnahme hinzu: Wenn private Arbeitsvermittler tätig werden, zählt der von ihnen betreute Arbeitslose nicht mehr als arbeitslos, obwohl er keine Arbeit hat.

Wer die tatsächliche Arbeitslosigkeit erfassen will, muss ehrlich rechnen. Dazu sagte der damalige Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) am 4. Juli 2009 in der Fernsehsendung Panorama: „Alles, was an Effekten durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen entsteht, wird jedes Mal zusammen mit der Arbeitsmarktstatistik veröffentlicht. … Ich glaube, dass man sich auf die Seriosität dieses Prozesses verlassen kann. Wer anders rechnen wolle, könne ja „seine Zahl veröffentlichen – und dazu ein Flugblatt drucken.“ Das tun wir gern. Hier ist die tatsächliche Zahl, die allein auf amtlichen Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit beruht. Im Mai 2017 waren immer noch mehr als 955 Tausend Menschen in Nordrhein-Westfalen erwerbslos. Zeit zu handeln statt zu tricksen.

 

Offizielle Arbeitslosigkeit im Mai 2017                                                                      702.375

Nicht gezählte Arbeitslose verbergen sich hinter:

Älter als 58, beziehen Arbeitslosengeld II                                                                    43.735

Ein-Euro-Jobs (Arbeitsgelegenheiten)                                                                         20.660

Förderung von Arbeitsverhältnissen[1]                                                                        1.823

Fremdförderung                                                                                                                 61.109

Bundesprogramm Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt[2]                                           2.820

berufliche Weiterbildung                                                                                                  42.312

Aktivierung und berufliche Eingliederung (z. B. Vermittlung durch Dritte)               62.546

Beschäftigungszuschuss (für schwer vermittelbare Arbeitslose)                            1.202

Kranke Arbeitslose (§146 SGB III)                                                                                 16.847

Nicht gezählte Arbeitslose gesamt                                                                                253.054

Tatsächliche Arbeitslosigkeit im Mai 2017                                                                  955.429

Quellen:      Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarkt in Zahlen. Arbeitslosigkeit und Grundsicherung für Arbeitsuchende. Nordrhein-Westfalen, Mai 2017, Seite 9. Die dort aufgeführte Altersteilzeit sowie Gründungszuschüsse und sonstige geförderte Selbstständigkeit  haben wir in der Tabelle nicht berücksichtigt.

 

[1] Mit dem Gesetz zur Verbesserung der Eingliederungschancen am Arbeitsmarkt wurde zum Juli 2012 das bisherige Instrument der Arbeitsgelegenheiten in der Entgeltvariante mit den bisherigen Leistungen zur Beschäftigungsförderung zu einem neuen Instrument der Förderung von Arbeitsverhältnissen (FAV) verbunden.

[2] Mit dem Monat Mai 2016 neu in die Berichterstattung der Unterbeschäftigung aufgenommen.

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